Dieser Beitrag gehört zu Culture Club, unserer Serie über Songs, die als Remix weit berühmter wurden als in ihrer Originalform.
„Missing" wurde von Tracey Thorn und Ben Watt geschrieben, dem Duo hinter Everything but the Girl, für ihr Album von 1994, Amplified Heart. Als Single im August desselben Jahres veröffentlicht, tat sie sehr wenig. Das Album war eine ruhige, akustisch geprägte Platte, und „Missing" in ihrer Originalform war eine zurückgenommene, melancholische Ballade, die kam und ging.
Die Band gab den Track dem New Yorker House-Produzenten Todd Terry für einen Club-Remix. Seine Version, 1995 wiederveröffentlicht, wurde zum Welthit, erreichte Platz drei im Vereinigten Königreich und die Chartspitze anderswo, und zeichnete die Karriere der Band dauerhaft neu.
Das Original
Die Albumversion von „Missing" ist ein trauriger, rauchiger Song über Verlust, getragen von Thorns unverwechselbarer Stimme. Sie ist gut, und sie ist leise. Bei der ersten Veröffentlichung fand sie kein Publikum über die bestehenden Fans der Band hinaus, und es gab kaum Anzeichen, dass der Song einen zweiten Gang hatte.
Das Gerüst war jedoch stark. Die Refrainzeile „and I miss you, like the deserts miss the rain" ist einer der großen Pop-Hooks des Jahrzehnts. Sie saß in einer Ballade und wartete auf einen Beat, der sie tragen würde.
Der Remix
Todd Terry führte den Song in eine direkte, eingängige New Yorker House-Richtung. Wie Ben Watt es später beschrieb, hatte der Remix eine echte Schlichtheit, einen sauberen Four-on-the-Floor-Groove, der Thorns Stimme und diesen Refrain die Arbeit tun ließ. Er behielt die Emotion des Originals, gab ihm aber einen Puls und einen Raum zum Füllen.
Der Remix erreichte im November 1995 Platz drei im Vereinigten Königreich, Platz eins in Deutschland und Platz zwei in den US-amerikanischen Billboard Hot 100, ein enormes Ergebnis für einen Track, der im Jahr zuvor gefloppt war. Er wurde zu einer der prägenden Crossover-Dance-Platten der 1990er und drängte Everything but the Girl entschieden in Richtung des elektronischen Sounds, den sie für den Rest des Jahrzehnts erkunden sollten.
Warum es zählt
„Missing" ist der klarste Fall dieser Serie, in dem ein Remix ein Original nicht nur übertrifft, sondern rettet. Der Song war bereits veröffentlicht, bereits eine Single, bereits eine kommerzielle Enttäuschung. Die Komposition änderte sich nicht. Die Stimme änderte sich nicht. Ein Produzent änderte das Arrangement, und derselbe Song wurde beim zweiten Versuch zum Welthit.
Es zeigt auch, was ein Remix für die Originalkünstler über einen einzelnen Hit hinaus tun kann. Everything but the Girl erzielte nicht nur eine Chartplatte. Sie fanden eine neue kreative Richtung und ein neues Publikum, das sie durch ihre erfolgreichste Phase trug. Der Remix war eine Tür zum Rest ihrer Karriere.
Für jeden Künstler, der auf einem Back-Katalog gut geschriebener, mäßig erfolgreicher Songs sitzt, ist das die Lektion, die man festhalten sollte. Ein Song, der gefloppt ist, ist kein gescheiterter Song. Er ist vielleicht einfach ein Song, der dem richtigen Arrangement noch nicht begegnet ist.